Agentic Commerce Update: Google, Shopify & JTL – Wer baut die beste Brücke in die KI-Zukunft?
KI-Zusammenfassung
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Erinnerst Du Dich an unseren Deep Dive zum Thema Agentic Commerce im November? Seitdem hat die Entwicklung an Dynamik gewonnen. Wir beobachten derzeit, wie sich die technologische Grundlage für einen völlig neuen Absatzkanal formiert. Es geht nicht mehr nur um KIs, die Kunden bei der Suche assistieren, sondern um die schrittweise Einführung autonomer Agenten, die eigenständig recherchieren, Angebote vergleichen und Kaufprozesse vorbereiten oder abschließen können.
Dieser fundamentale Wechsel von der bloßen Suche („Search“) hin zum proaktiven Handeln („Action“) ist derzeit vor allem auf dem US-Markt zu beobachten. Während das Thema in Deutschland und der EU aufgrund regulatorischer Rahmenbedingungen noch in der Vorbereitungsphase steckt, führen Marken wie Poshmark oder Reebok in den USA bereits erste Live-Tests mit diesen autonomen Systemen durch.
Für Dich als Händler bedeutet das aktuell keine akute Eile, aber eine strategische Beobachtungspflicht. Wir sehen hier die Entstehung eines Kanals, der die Art, wie Kunden Produkte finden, nachhaltig ergänzen könnte. Das Spielfeld wird gerade definiert, und es lohnt sich, die Entwicklung der technischen Brücken – also der Protokolle, die Deine Produktdaten für diese Agenten lesbar machen – genau im Blick zu behalten.
Eine Allianz als früher Taktgeber
Google UCP & Shopify
Google hat mit dem Universal Commerce Protocol (UCP) versucht, einen Standard zu schaffen, der darauf abzielt, den digitalen Handel über Plattformgrenzen hinweg zu vereinheitlichen. Ziel ist ein „Native Checkout“ direkt in der Google Suche oder in Gemini – ein Szenario, in dem Kunden kaufen können, ohne die klassische Oberfläche Deines Shops zu besuchen.
Dass dieses Protokoll derzeit so viel Aufmerksamkeit erfährt, liegt an der engen Co-Entwicklung mit Shopify. Während Google die Entdeckungsumgebung (Suche/KI) bietet, bringt Shopify seine Infrastruktur-Erfahrung ein, um Transaktionen skalierbar zu machen. Gemeinsam nutzen sie drei technische Säulen:
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MCP (Model Context Protocol): Das „Gedächtnis“ für Kundenpräferenzen über verschiedene Workflows hinweg.
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A2A (Agent2Agent): Die Ebene, auf der Agenten Details untereinander „verhandeln“.
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AP2 (Agent Payments Protocol): Der Standard für die sichere, automatisierte Zahlungsabwicklung.
Zusätzlich bietet das neue „Direct Offers“-Pilotprogramm die Möglichkeit, zögerlichen Nutzern im KI-Modus exklusive Angebote (z. B. 20 % Rabatt) auszuspielen und so die Conversion-Rate zu erhöhen.
Aber Vorsicht: Auch wenn Google und Shopify hier massiv vorgelegt haben und Schwergewichte wie Walmart, Etsy oder Zalando an Bord sind, ist in diesem jungen Markt noch nichts in Stein gemeißelt. UCP ist ein starker Anwärter auf den Thron, doch auch andere Protokolle und Allianzen haben weiterhin die Chance, sich als (Teil-)Standard zu etablieren. Wir beobachten hier kein fertiges Produkt, sondern einen dynamischen Wettbewerb um die Vorherrschaft im KI-Handel.
Shopifys "Agentic Plan"
Die Rolle von Shopify geht dabei über die reine Partnerschaft mit Google hinaus. Mit dem neuen „Agentic Plan“ positioniert sich Shopify als das infrastrukturelle Rückgrat für die gesamte KI-Ära – und zwar plattformunabhängig:
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Türöffner für Nicht-Shopify-Händler: Marken können ihre Produktdaten in den Shopify-Katalog einspielen, selbst wenn sie gar keinen Shopify-Onlineshop betreiben.
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Standardisierung durch KI: Shopify nutzt spezialisierte Modelle, um diese Daten zu normieren und über Agentic Storefronts auf Kanälen wie ChatGPT, Google Gemini und Microsoft Copilot (inkl. Copilot Checkout) handelbar zu machen.
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Fokus auf Datenqualität: Hier zeigt sich der radikale Strategiewechsel: Deine Datenpräsenz im Hintergrund wird wichtiger als das visuelle Design. KIs lesen keine Banner, sie brauchen strukturierte Fakten.
Marken wie Monos, Gymshark oder Everlane zeigen bereits in den USA, wie dieser Weg in der Praxis aussieht.
Agentic Commerce Alliance & Copilot im Backend
Shopware mit einem alternativen Ansatz
Shopware verfolgt eine zweigleisige Strategie, um das Thema Agentic Commerce zu besetzen. Dabei wird der Fokus gleichermaßen auf die Unterstützung des Händlers im Backend als auch auf die Unabhängigkeit im Ökosystem gelegt:
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Marketing-Fokus und Copilot: Shopware nutzt das Momentum des Begriffs „Agentic“, um den hauseigenen Copilot als eine Art „internen Agenten“ zu promoten. Er unterstützt Dich bereits heute dabei, Produktbewertungen zusammenzufassen, KI-generierte Bildhintergründe zu erstellen oder komplexe Rabattaktionen per Befehl umzusetzen. Man könnte sagen: Shopware nutzt das Trend-Thema frühzeitig zur Positionierung, auch wenn eine vollautomatisierte Kauf-Lösung für externe Agenten (wie bei Google/Shopify) noch nicht verfügbar ist.
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Agentic Commerce Alliance (ACA): Mit der Gründung dieser Allianz im Mai 2025 (agentic-commerce.org) setzt Shopware auf ein offenes Ökosystem statt auf die „geschlossenen Schienen“ der großen Tech-Giganten. Es geht darum, Standards zu schaffen, damit KI-Agenten systemübergreifend auf Preise und Bestände zugreifen können, ohne dass eine einzelne Plattform alles diktiert.
Der strategische Kern: Während Google und Shopify den Fokus auf den schnellen Verkaufsabschluss im Chat legen, betont Shopware die langfristige technologische Unabhängigkeit. Zwar bleibst Du auch bei Google UCP formal der Vertragspartner („Merchant of Record“), doch Shopware warnt davor, sich zu sehr in die Abhängigkeit einzelner Tech-Giganten zu begeben. Mit der „Agentic Commerce Alliance“ will Shopware offene Standards etablieren, die sicherstellen, dass Deine Daten und Schnittstellen Dir gehören – und Du nicht zum reinen Logistik-Dienstleister für fremde KI-Agenten wirst.
Exklusive Einblicke in die Entwicklung
JTL mit einem stabilen Fahrplan
Vielleicht erinnerst Du Dich an unseren Beitrag vom 11. November: Wir hatten exklusiv darüber berichtet, dass JTL bereits in engem Austausch mit OpenAI steht. Damals war der „Instant Checkout“ noch eine Vision – heute ist er der Kern der aktuellen Entwicklung.
In diesem dynamischen Umfeld, das oft von schnellen Marketing-Versprechen getrieben ist, verfolgt JTL einen erfreulich bodenständigen und technisch fundierten Kurs. Getreu dem Motto „Foundation First“ baut JTL an einer massiven, API-basierten Brücke, die auch unter realen Lastbedingungen trägt. Im direkten Austausch mit JTL haben wir den aktuellen Fahrplan zu Agentic Commerce abgefragt:
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Checkout-API & Agentic Commerce Protocol (ACP): Die Priorität liegt auf der Anbindung an den OpenAI-Kosmos. JTL arbeitet an einer modernen Checkout-API, die primär das Agentic Commerce Protocol (ACP) berücksichtigt. Sobald dieses Fundament stabil steht, wird die Brücke Richtung Google UCP geprüft – ein logischer Schritt, um die technische Handlungsfähigkeit sicherzustellen, ohne sich in voreiligen Integrationen zu verlieren.
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Der OpenAI-Feed: Der im letzten Beitrag erwähnte Feed für den direkten Push-Weg zu ChatGPT ist bereits in der Beta-Phase. JTL befindet sich hierzu im engen Austausch mit ausgewählten Kunden. Technisch ist die Lösung bereit; die finale Veröffentlichung hängt derzeit lediglich von der offiziellen Freischaltung durch OpenAI ab.
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Backend & Cloud-Strategie: Während Wettbewerber den Begriff „Agentic Commerce“ teilweise sehr weit fassen, um bestehende Backend-Funktionen zu bewerben, bleibt JTL präziser. Für den klassischen JTL-Shop 5 ist derzeit kein KI-Backend-Rework geplant. Stattdessen werden neue Features direkt Cloud-native gedacht, um die nötige Rechenleistung für komplexe KI-Logiken ohne Performance-Verluste bereitzustellen.
Unsere Einordnung: Durch die Priorisierung des Agentic Commerce Protocols baut JTL eine solide erste Ausfahrt in die Welt der autonomen Agenten. Anstatt auf alle Trends gleichzeitig zu setzen, wird hier ein stabiler Pfad geebnet. So bleibt Dein System handlungsfähig und bereit, sich Schritt für Schritt mit der Evolution der globalen Tech-Giganten weiterzuentwickeln.
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Die (aktuell) zwei Türen in die KI-Welt
ACP vs. UCP
Damit Du die Strategien von Google, Shopify und JTL besser einordnen kannst, hilft ein Blick auf die beiden „Sprachen“, die derzeit entwickelt werden. Man kann sie sich wie zwei verschiedene Eingangstüren für Deine Kunden vorstellen:
| Protokoll | ACP (Agentic Commerce Protocol) | UCP (Universal Commerce Protocol) |
|---|---|---|
| Hauptakteur | OpenAI (ChatGPT) & PayPal/Stripe | Google & Shopify |
| Wo findet der Kauf statt? | Direkt im KI-Chat (z. B. ChatGPT) | In der Suche, in Gemini oder KI-Apps |
| Philosophie | Fokus auf den persönlichen Agenten | Fokus auf das nahtlose Such-Erlebnis |
Warum ist das für Dich wichtig? Niemand weiß heute, durch welche Tür Deine Kunden in zwei Jahren gehen werden. Werden sie ChatGPT bitten, den Einkauf zu erledigen (ACP), oder werden sie in der Google-Suche direkt auf „Kaufen“ klicken (UCP)? Die gute Nachricht: Dein JTL-System wird durch die aktuelle API-Entwicklung darauf vorbereitet, beide Sprachen zu lernen. Du musst Dich heute nicht entscheiden, sondern nur sicherstellen, dass Deine Daten bereitstehen.
Die Evolution der Geschäftslogik
Fazit für Shopbetreiber
Der Wettlauf der Protokolle hat begonnen. Auch wenn wir uns in Deutschland und der EU derzeit noch in einer Beobachtungsphase befinden, zeigt die Dynamik in den USA, dass hier die Infrastruktur für eine neue Ära des Handels entsteht. Ob sich am Ende das Universal Commerce Protocol (UCP), das Agentic Commerce Protocol (ACP) oder offene Standards durchsetzen, ist zum jetzigen Zeitpunkt zweitrangig.
Entscheidend ist die Erkenntnis, dass sich die Schnittstelle zum Kunden fundamental verändert. Datenqualität wird zur neuen Währung. In einer Welt, in der autonome Agenten über Käufe entscheiden, gewinnen diejenigen, deren Produktdaten am präzisesten und technisch am besten zugänglich sind.
Doch Daten allein sind nur die halbe Miete. Ein oft unterschätzter Faktor für die Ausspielung durch KIs ist das Vertrauen in Deine Marke. Agenten greifen für ihre Recherche auf Informationen zurück, die im Netz verfügbar sind. Hier wird Dein Expertenstatus zum Zünglein an der Waage:
- Wer liefert den wertvollsten Content zu einem Problem?
- Wer hat die fundiertesten Ratgeber-Artikel oder Videos?
KIs bevorzugen Quellen mit hoher Autorität. Dein Onlineshop wird also nicht obsolet, er wandelt sich: Von der reinen Verkaufsplattform hin zu einem Expertise-Hub. Nur wer über hochwertigen Content zeigt, dass er seine Produkte und die Bedürfnisse seiner Zielgruppe wirklich versteht, wird von den Agenten der Zukunft als vertrauenswürdige Empfehlung gelistet.
Agentic Commerce ist kein Tool, das man einfach einschaltet – es ist die Evolution Deiner digitalen Präsenz. Wir werden die Entwicklungen bei JTL und den globalen Protokollen weiterhin eng für Dich begleiten. Im nächsten Beitrag schauen wir uns dann im Detail an, wie Du Deinen Shop ganz praktisch auf diese neue „maschinelle Logik“ und den notwendigen Content-Aufbau vorbereitest.
Häufig gestellte Fragen zum Thema
Was ist Agentic Commerce genau?
Agentic Commerce beschreibt den fundamentalen Wechsel von der bloßen Suche („Search“) hin zum proaktiven Handeln („Action“). Dabei assistieren KI-Systeme nicht mehr nur bei der Recherche, sondern autonome Software-Agenten übernehmen eigenständig den Preisvergleich und können Kaufprozesse vorbereiten oder direkt abschließen.
Was ist der Unterschied zwischen UCP und ACP?
Das sind die zwei dominierenden Protokolle für den KI-Handel. Das UCP (Universal Commerce Protocol) wird von Google und Shopify entwickelt und zielt auf einen „Native Checkout“ direkt in der Google Suche oder Gemini ab. Das ACP (Agentic Commerce Protocol) wird von OpenAI und Stripe vorangetrieben und fokussiert sich auf den Einkauf direkt im KI-Chat (z. B. ChatGPT). Man kann sie sich wie zwei verschiedene Eingangstüren für Kunden vorstellen.
Wann kommt Agentic Commerce für JTL-Shops?
JTL arbeitet derzeit nach dem Prinzip „Foundation First“. Im ersten Schritt liegt der Fokus auf dem Agentic Commerce Protocol (ACP) für die Anbindung an den OpenAI-Kosmos. Zudem befindet sich ein OpenAI-Feed für JTL bereits in der Beta-Phase. Ein genaues Datum für den Public-Release ist noch nicht bekannt.
Was bedeutet der „Agentic Plan“ von Shopify?
Mit dem Agentic Plan öffnet Shopify seine Infrastruktur auch für Händler, die keinen Shopify-Store betreiben. Marken können ihre Produktdaten in den Shopify-Katalog einspeisen, wo sie durch KI standardisiert und über „Agentic Storefronts“ auf Plattformen wie ChatGPT oder Microsoft Copilot handelbar gemacht werden.
Wie positioniert sich Shopware zum Thema KI-Handel?
Shopware verfolgt eine Strategie der technologischen Unabhängigkeit. Mit der Gründung der „Agentic Commerce Alliance“ (ACA) setzt das Unternehmen auf offene Standards, damit Händler die Hoheit über ihre Daten behalten. Zudem fungiert der Shopware Copilot bereits heute als „interner Agent“ zur Prozessoptimierung im Backend.
Was sollte ich jetzt als deutscher Händler tun?
Aktuell besteht kein Grund für hektische Systemwechsel, da Live-Tests für autonome Käufe derzeit primär in den USA laufen und in der EU regulatorische Fragen noch ungeklärt sind. Deine strategischen Aufgaben sind jedoch klar definiert:
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Datenqualität optimieren: KIs lesen keine Banner, sondern „kalte Fakten“. Sorge dafür, dass deine Produktdaten und Attribute präzise und strukturiert vorliegen, denn sie sind die Währung der Zukunft.
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Expertenstatus aufbauen: KIs suchen nach vertrauenswürdigen Informationen. Positioniere Deinen Shop durch hochwertige Ratgeber und Content als Expertise-Hub, damit Agenten Dich als relevante Quelle listen.
- Beobachten: Verfolge die Entwicklung der Protokolle (ACP vs. UCP), während JTL im Hintergrund die technische Basis (APIs) für beide Wege vorbereitet.
In einem der nächsten Beiträge gehen wir konkreter darauf ein, was Du als deutscher Händler jetzt schon tun kannst, um den Anschluss an die KI-Zukunft nicht zu verpassen!
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